Aus der Diözese - "Pe. Frederico" in Deutschland zurück***

Liebe Leser des Brasilienbriefes,

hiermit melde ich mich - noch von Brasilien aus – nach der kurzen Notiz in der Druckausgabe etwas ausführlicher zu Wort und nach Deutschland zurück. Ich bin Priester der Diözese Limburg im Ruhestand. Noch bevor es soweit war, fragte mich mein ehemaliger Studienkollege Reinhard Pünder: Hättest Du nicht mal Lust, nach Deiner Pensionierung für ein Jahr nach Brasilien zu kommen? Nach meiner Pensionierung schrieb ich ihm: Du hast mir da einen Floh ins Ohr gesetzt, stehst Du noch dazu? Die Einladung blieb bestehen, und ich hatte Lust zu kommen. Jetzt bin ich seit Ende Juni 2007 hier und kehre mit vielen gemischten Eindrücken zurück, beileibe nicht nur Schokoladenseiten.

Bischof Reinhard mit Pe. FredericoZu den Festas Juninas kam ich an. Ich erlebte ein daniederliegendes Sanitätswesen, ein Rettungswagen für den ganzen Distrikt von Coroatá. Das hat sich grundlegend geändert. Jetzt gibt es mehr, an die zehn Wagen, man hört ihr Sirenengeheul sehr oft. Man hört auch anderen Lärm, Musik, Lautsprecherwagen, lautstarke Reklame der Geschäftswelt. Auch übernehmen Lautsprecherwagen die Aufgabe des gemeindlichen Ausrufers aus früheren Zeiten. Mein Stoßgebet - frei nach dem Vaterunser: 'Vom täglichen Lärm erlöse uns heute'.

Die ersten Wochen sollten dem Ausbau meiner Portugiesisch-Kenntnisse dienen. Das dauert bis heute an und ich vermute, meine diesbezüglichen Kenntnisse werden ausbaufähig bleiben bis an mein Ende.

Ende Juli 2007: Besuch in Arari, Volksmission dort unter Beteiligung aller kirchlichen Kräfte aus der Diözese. Jedes Jahr findet eine solche Volksmission in einem der verschiedenen municipios  (Stadt- und Landkreise) der Diözese statt. In den dortigen Dörfern erlebe ich, was mangelnde Infrastruktur heißt: Vor allem fehlt fließendes Wasser. Elektrizität gibt es schon eher, gemäß einem Regierungsprogramm der Regierung Lula "Licht für alle". Genau so wichtig wäre "Wasser für alle". Es gibt mehr solcher Nicht-Schokoladenseiten: Viele Straßen sind sehr löchrig. Da Auto fahren? Inzwischen habe ich es doch gewagt, und manche Löcher sind für mich schon alte Bekannte. Die Bundesstraßen scheinen in besserem Zustand zu sein. Die wichtige Verbindungsstraße Coroatá - Vargem Grande (60 km) ist derart mies, dass außer großen Lastwagen und Vierradantrieb da nichts fahren kann. Alle anderen weichen über die Bundesstraße aus, mehr als das Dreifache beträgt der Umweg.

Die Beschaffung eines Jahresvisums für Missionare klappt dann schließlich. Zu einem Ruheständlervisum hat es nicht gereicht. Dann erreichte der Sommer seinen Höhepunkt, bevor es Anfang Dezember zum Schlussakkord kommt. Sommer und Winter gibt es hier nur wenig Temperaturunterschiede. Der Sommer ist Trockenzeit, die jetzt mit angenehm kühlen Nächten (aber auch nicht unter 20ºC) anhebt, tagsüber aber ist es heiß, im November bis 40°C. Anfang Dezember gibt es die ersten Regenfälle, die später  glücklicherweise meist ergiebig werden. In manchen Gegenden Nordostbrasiliens wurden sie zu stark, und die armseligen Lehmhütten, teilweise auch bei uns, wurden hinweggeschwemmt.

Glücklich war ich, wenn ich gelegentlich aushelfen konnte. Padre Maurus von Anajatuba traute sich und traute mir. Danke, ebenso auch Padre Carlos in Codó. Ihnen und allen Mitbrüdern hier möchte ich herzlich danken für die freundliche Aufnahme, für ihre Geduld, auch wenn ich sprachlich immer noch auf der Leitung stehe. Unter den Mitbrüdern der Diözese erlebte ich allerdings ungute Spannungen, die auch das Verhältnis zum Bischof stark berühren. Der vorige Brasilienbrief erwähnte dies. Beim Geld hört bekanntlich die Freundschaft auf.

Geld: Die Diözese braucht dringend einen eigenen Ökonom, das ist nicht so leicht, für die deutschen Affären braucht man Deutschkenntnisse, für die Brasilianer Verständnis der brasilianischen und maranhensischen Mentalität, vielleicht auch mehr Toleranz, als wir Deutsche sie haben. Möglicherweise klappt es in nächster Zeit. Eine Bitte an die guten Leute, die Spender: Habt Geduld mit Coroatá! Alles Geld wird seine Adressaten erreichen (vgl. Mt. 28, 26.29)! Leider dauert es Monate, bis das Geld ankommt. Alles andere wäre wahnsinnig teuer und auch kaum schneller. Sie, liebe Spender, sind doch wohl interessiert, dass das Geld möglichst ungekürzt sein Ziel erreicht, meine ich. Der Transfer ist sehr schwierig, genauere Schilderung der Wege und Umwege überlasse ich kompetenteren Leuten.

Aus dem Dokument der lateinamerikanischen Bischofskonferenz von Aparecida vom Vorjahr (Teil 6: Ausbildungsweg der Jünger-Missionare) entnehme ich folgende bemerkenswerte Stelle: "Jeder Teil des Gottesvolkes verlangt nach persönlicher Begleitung und Ausbildung, wie es der jeweiligen Berufung entspricht, dem besonderen Dienst eines jeden. Der Bischof ist das Prinzip der Einheit in der Diözese vermöge seines dreifachen Dienstamtes: zu lehren, zu heiligen, zu leiten. Die Priester wirken mit dem Amt des Bischofs zusammen in der Sorge um das Gottesvolk, das ihnen anvertraut ist; die ständigen Diakone  leisten Bischöfen und Priestern ihre Hilfe durch ihren zuverlässigen Dienst, der Leben bringt. Die Ordensleute leisten ihren Beitrag, indem sie in ihrem Leben dem Meister radikal nachfolgen. Die Laien wirken verantwortlich bei der Verkündigung des Evangeliums mit und tragen dazu bei, christliche Gemeinden zu schaffen und so das Reich Gottes auf Erden aufbauen zu helfen."

Allen, denen ich hier begegnen durfte, danke ich für ihre Bereitschaft, für die Erfahrungen, die ich machen konnte.

Friedrich Glöckler
Limburger Straße 28
61462 Königstein
Tel. 0177/7433198
friedrich.gloeckler (bei) gmx.de

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