Brief von Bischof Reinhard

Der neugeweihte Bischof 1978Der neugeweihte Bischof 1978 bei seiner Ankunft in Coroatá

Liebe Freunde, Wohltäterinnen und Wohltäter unseres Bistums,

voll Dank kommt auch dieses Jahr wieder das Zeichen unserer Verbundenheit in Ihre/Eure Hand, in der Hoffnung, es möge Ihnen/Euch gut gehen, vor allem, was das Wesentliche angeht.

Dies Jahr versuchten wir, uns nach den Beschlüssen der 7. Diözesanversammlung auszurichten. Sie war wirklich ermutigend, gerade, was die vielen guten "Laien" angeht – ich mag diese Bezeichnung eigentlich nicht -,
die sich, jeder an seinem Platz, aus ganzem Herzen dafür einsetzen, dass wir gemeinsam lebendige Kirche sind: Sauerteig, Salz und Licht in der Gesellschaft, damit das Reich Gottes in ihr wächst.

Als Schwerpunkte nahmen wir uns diesmal nur zwei vor: ganzheitliche, menschlich-christliche Bildung ("formação") und Einsatz für eine am Gemeinwohl orientierte Politik. Damit soll nicht gesagt sein, dass damit die anderen früher hervorgehobenen Aspekte – Basisgemeinden, Familie, Jugend, Landprobleme, organische pastorale Zusammenarbeit – nun unwichtig geworden seien. Nein, aber gute Pastoralpläne brauchen als unabdingbare Voraussetzung auch gut vorgebildete Menschen, um sie gut auszuführen. Und: Wir brauchen Rahmenbedingungen in Gesellschaft und Politik, die eine Verbesserung der Lage ermöglichen, und dies geht nur mit gesellschaftlichpolitischem Einsatz.

Um diese zwei Schwerpunkte zu konkretisieren, wollen wir die schon bestehende Glaubensschule ausbauen und die frühere Schule der politischstaatsbürgerlichen Bildung wiederbeleben. Wir denken an jeweils mehrere Perioden pro Jahr von je einer Woche in den Ferienzeiten. Beide Schwerpunkte sollen auch je neu zur Gewissenserforschung anregen: sind meine Predigten, meine Aktivitäten zur Gemeindebildung, ist die Katechese bei uns immer klar auf diese Ziele ausgerichtet oder was müssen wir tun, es zu verbessern ...?

Nun ist das Bistum Coroatá schon 30 Jahre alt, auf der Wanderung immer noch mit dem ersten Bischof, dies wohl noch für fünf Jahre. Wie dankbar bin ich, dass Sie/Ihr mir dabei so großzügig helft, nicht nur materiell (obwohl das – schlimm - immer noch so wichtig ist), sondern auch geistig, durch Teilnehmen und Gebet. Wie soll es nun weitergehen, besonders was die Nachhaltigkeit Ihrer/Eurer Hilfe betrifft? Ich habe mit dem Nuntius gesprochen und darauf den Papst gebeten, mir einen Koadjutor bei zu geben. Ein solcher bischöflicher Mitbruder ist mehr als ein Weihbischof; er kann – im Einklang mit dem Bischof – Eigenverantwortung im Bistum übernehmen und ist meist auch dessen Nachfolger. Ich glaube, dass dies in unserem Fall auch im Hinblick auf den materiellen Unterhalt des Bistums von Wert wäre. Er wird ja wohl ein Einheimischer sein und für diese Seite ein Händchen haben – worum ich euch kräftig mit zu beten bitte. Er würde mit jüngerer Kraft und inländischer Findigkeit neue Wege suchen und gleichzeitig seinen Vorgänger zur Seite haben, der von Ihnen/Euch auch dann noch gestützt wird. - Auch was unseren Klerus angeht, wird dies zum Segen sein. Es läuft zwar z.Z. In ruhigeren Wassern, aber im Bachgrund mögen durchaus noch spitze Steine liegen. Zu zweit kann man das besser anpacken, eine besondere Gabe dazu und ein gutes Einverständnis des Neuen mit dem Alten vorausgesetzt. Also Gebetsanliegen noch und noch.

Welch ein Segen, dass ich Sie, dass ich Euch habe. Ohne diese Rückendeckung käme ich mir unendlich viel überforderter und unfähiger vor. Der Geber alles Guten möge es Ihnen/Euch reichlich vergelten, jetzt in einer lebendig und stärkend erfahrenen Advents- und Weihnachtszeit und dann das ganze Jahr über,

Im Namen des ganzen Bistums,

Ihr/Euer + Reinhard Pünder
 
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