Die Schulpolitik der Regierung macht uns zu schaffen***

Ein wunder Punkt ist für uns die Schulpolitik der Regierung Lula. Nach der Ideologie seiner PT soll es gute öffentliche Schulen für alle geben. In Wirklichkeit sind diese aber (wenigstens bei uns) weitgehend ein Desaster, was Räumlichkeiten, Unterrichtsniveau, Moral und Berufsfreude der Lehrer angeht. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sehen neben den "öffentlichen" auch "private" und neben beiden die Schulen von Glaubensgemeinschaften vor. Tatsächlich waren die kirchlichen Schulen in der Geschichte des Landes die ersten und lange weithin die einzigen, die es überhaupt gab, mit meist gutem Unterrichtsniveau und guter Schulmoral (wenn auch mitunter sehr streng!), zugänglich auch für Kinder ärmerer Eltern, weil es den Verantwortlichen nicht in erster Linie ums Geld ging.

Entgegen den gesetzlichen Rahmenbedingungen werden unsere Schulen steuerlich jetzt aber wie Privatschulen behandelt (*), die von reichen Eltern hohe Gebühren fordern können und so oft hohe Gewinne abwerfen. Dadurch wird es für uns kirchliche Schulträger immer schwerer, unsere Schulen zu unterhalten. Sehr viele mussten inzwischen schließen, so dass die Zahl der Schüler katholischer Schulen in den letzten sechs Jahren von über 900.000 auf ca. 560.000 gesunken ist. Es ist fast ein Wunder, dass unser Diözesankolleg immer noch besteht, und das bei Gebührenerlass für Kinder der Ärmeren. Die Investitionen, um sie im digitalen Zeitalter auf der Höhe der Zeit zu halten, konnten nur mit Hilfe von außen gemacht werden, auch mit Elisabeth Frickes "Hilfe zur Selbsthilfe".

Hoffentlich bleiben ihre großherzigen Freunde noch eine Zeit lang "bei der Stange".

Dom Reinaldo

(*) Berichtigung: In dem Artikel über Schulpolitik (BRbr 2007, S. 10) entstand aus einer unklaren Aussage durch eine kürzende Umformulierung eine Falschmeldung: Unsere Schulen werden nicht einfach wie Privatschulen behandelt. Aber anstatt die gemeinnützigen Schulen kirchlicher Träger staatlich zu unterstützen (was nur auf außerordentlichen Wegen minimal geschieht), machen es die gesetzlichen Auflagen (als ob sie sie abwürgen wollten) derartigen Schulen immer schwerer, sie zu unterhalten, so sehr, dass sie oft in Existenznöte geraten und schon sehr viele schließen mussten. 

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