Bistumsfinanzen und Projektarbeit

Unser "Finanzmathematiker" Pe. Maurus hat akribisch die Finanzlage des Bistums und unserer Pfarreien durchleuchtet und errechnet, dass uns heute im Vergleich zu 2004 nur noch 40% der Spendenmittel real zur Verfügung stehen: Ein (nicht einmal dramatischer) Spendenrückgang, Lohnerhöhungen (z.B. Verdoppelung der Mindestlöhne) und die Stärke des R$/€-Wechselkurses. Zu unserem Schrecken mussten wir feststellen, dass wir 2006 erheblich über unsere Verhältnisse gelebt haben.

Wir reagierten sofort und haben etwa ein Viertel unserer Angestellten sozialverträglich entlassen. Auch unsere Schwesterngemeinschaften können wir nicht mehr wie bisher monatlich unterstützen. Die Pfarreien müssen jetzt die in der Gemeindearbeit tätigen Schwestern selbst finanzieren und die Autoreparaturen alleine übernehmen. Das zahlenmäßige Anwachsen unseres Klerus hatte es mit sich gebracht, dass wir die "gemeinsame Kleruskasse", die - zur Finanzierung des Unterhaltes unserer Priester - einen Ausgleich zwischen reicheren und ärmeren Pfarreien bewirken soll, mit 56% Spendengeldern subventionieren mussten. Wir müssen also schrittweise die prozentualen Beiträge der Pfarreien erhöhen, was die sowieso schon kämpfenden Pfarrer nicht erfreut. Einige unserer Werke, z.B. die EFA und das "Projeto do Minor", mussten sich auf eigene Beine stellen. Sie konnten die Kommunalverwaltung und Hilfsorganisationen gewinnen, die bisherigen Bistumszuschüsse auszugleichen. Das Gesundheitszentrum "São Daniel" hat die Pfarrei Coroatá übernommen, die Besoldung der Lehrer in Marajá die Stadtverwaltung, die der Schule "Madre Rosa" das Diözesankolleg, das für seine laufenden Ausgaben schon ganz ohne Bistumszuschüsse auskommt.

Stehen wir vor einer "spiritualistischen Wende" oder einer "Beschränkung auf das Kerngeschäft", wie sie in Deutschland diskutiert werden? Wie könnte das sein, wo doch unser engagierter Einsatz in sozialen Nöten gerade unser "Markenzeichen" ist! Die Schritte, die wir jetzt tun müssen, sind eher ein Fortschritt in Richtung Mündigkeit unserer Einrichtungen. Das Bistum will weiter "Anlasser" und "Motor" bleiben.

Schauen wir tiefer: Unsere vielfältigen sozialen Probleme haben zu einem großen Teil kulturelle Wurzeln: Kolonialismus und Sklaverei haben eine Gesellschaft geformt, die Menschen unfähig macht, die Nöte anderer zu sehen, anfällig für Korruption, Diebstahl und Gewaltanwendung, die Männer zu "Machos" werden lässt. Die an den Rand Gedrängten bleiben passiv und fatalistisch, die Familien weitgehend dialog- und erziehungsunfähig. Glaube und Evangelium haben diese Prägungen bisher kaum durchformen können. Es braucht eine Glaubens-, eine Lebensschule, eine in die Tiefe gehende Grundkatechese. Dafür müssen das Bistum und seine Pfarreien lebensfähig, ja möglichst stark sein. Bitte vergessen Sie das nicht, liebe Spender, gerade wenn Ihnen an einer tiefgehenden, zukunftswirksamen Umformung unserer Gesellschaft liegt.

Wenn Sie bestimmte "Projekte" ausgewählt haben, wie z.B. Bad Endorf und das Clemens-August-Gymnasium in Cloppenburg unsere Landwirtschaftsschule EFA, geben Sie dies bitte weiterhin auf Ihrer Überweisung an oder informieren Sie uns über Fax oder Mail. Sie können sicher sein, dass Ihre Spende an der von Ihnen bevorzugten Stelle ankommt. Dies gilt auch für die großherzigen Freunde von Elisabeth Fricke, die ihre Anliegen jetzt direkt über uns weiter unterstützen wollen. Wir sind Ihnen von Herzen dankbar, wenn Sie ihr und uns weiter treu bleiben.

Bischof Reinhard

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