Bischöfe fordern Revision der Rechtsprechung

Auf ihrer Regionalversammlung im Juni wandten sich die Bischöfe Maranhãos erneut an die Verantwortlichen in Regierung und Justiz des Landes und zählten mehrere Fälle himmelschreiender Ungerechtigkeit in den vergangenen Monaten auf. Durch Entscheidungen von Einzelrichtern sei Klägern Recht gegeben geworden, die sich oft mit krimninellen Mitteln Rechtstitel auf Landeigentum verschafft hatten, die uralten ersessenen Rechten dort wohnender und arbeitender Bauern entgegenstanden. Da die legitimen Bewohner nicht weichen wollten, seien Verfügungen zur "Wiederherstellung des Besitzrechtes" erlassen worden, die Polizisten und Privatmilizen der Großgrundbesitzer zu brutalen Vertreibungen nutzten. Oft seien sie sogar als endgültig deklariert worden und hätten so die Möglichkeit verschlossen, auf dem Rechtsweg Gerechtigkeit zu erkämpfen.

Die Bischöfe appelierten an die örtlichen Richter, die viel älteren Rechte der Landbauern nicht aus formalen Gründen zu Gunsten der Reichen und Großen immer wieder mit Füßen zu treten. Oft sei es den Versäumnissen der zuständigen Behörden zuzuschreiben, dass diese alten Rechte nicht längst auch formal bestätigt wurden. Die Richter mögen nicht die papierene Wirklichkeit von (oft erschlichenen und gekauften) Dokumenten, sondern die reale Wirklichkeit vor Ort zur Grundlage ihrer Entscheidungen machen.

Es sei Zeit, dies durch geeignete neue Gesetze zu regeln und Schluss zu machen mit der einseitigen Bevorzugung von Großprojekten und ihren Trägern.

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