Brief von Bischof Reinhard

Liebe Freunde und treue Spenderinnen und Spender in der Heimat,

allem zuvor: die allerherzlichsten Advents- und Weihnachtsgrüße und –wünsche.

Friede auf Erden? Bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Deutschland scheinen die Völker ein bisschen mehr zu Freunden geworden zu sein, im selben Jahr, in dem die Bedrohungen des Friedens – besonders in den Ländern der Bibel – zunahmen.

Der von "Christen" losgetretene "Schock der Kulturen"?

Auch hier im Nordosten Brasiliens spüren wir den Klimawandel. Es war noch nie so heiß in der Trockenzeit. Der das Bistum von Süd nach Nord durchfließende Fluss Itapecuru nimmt weiterhin ab; immer mehr Bäche versiegen in diesen Monaten.

Bei unserem Bemühen hier freuen mich besonders die Pionierleistungen unserer Leute zur Erhaltung gefährdeter und Wiederherstellung zerstörter Umwelt. Groß auch die Freude, dass die Arbeit unserer Diözesankollegs – bei den übergroßen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben – von außen so schöne Anerkennungen bekam. Interessant auch die politischen Neuigkeiten. Sie werden davon lesen.

Nicht alles hier war zum Honigschlecken. Immer neu muss auch ich mich bekehren, das Schwierige des Lebens im Osterlicht zu sehen, das uns das Kreuz als Durchgang zum Sieg verstehen lässt. Dieser Globus wird früher oder später vergehen, aber solange er sich dreht, sollen/dürfen wir unseren Teil tun, dass das Gute siegt, und dass auf dem Weg dahin das Schlimme nicht überhand nimmt. In diesem Kampf haben Sie uns wieder großherzig und konkret geholfen und dadurch Mut gemacht. Nur der Himmlische Vater kann dies angemessen vergelten. Darum bitten wir Ihn täglich.

"Dom Reinaldo" inmitten seiner (meist jungen) Priester

"Dom Reinaldo" inmitten seiner (meist jungen) Priester

Sind wir aber auch geistlich, als Gottes Kinder und Ebenbilder gewachsen?

Ich hoffe es, und bitte dazu um die Hilfe von oben. Ich versuche, den Diözesanen, die der Herr mir anvertraut hat, dazu zu helfen. Schöne Möglichkeiten bieten mir die Pastoral-Visitationen in den Pfarreien, die mich wieder sehr froh machten und uns als "Gottesfamilie" erfahren ließen. Oder die Versammlungen der Priester – meist sind es jetzt vor allem junge, die ich selbst schon geweiht habe –, der Ordensleute, des Pastoralrates oder der anderen Gremien.

Erfreulich ist, dass der Beitrag zum Unterhalt des Seminars seitens der Pfarreien spürbar besser geworden ist. Ebenso stieg der "Dízimo" (abgeleitet vom biblischen "Zehnt"), der freiwillige Kirchbeitrag unserer Christen, weiter etwas an, was ja so notwendig ist, damit wir von unserer großen Auslandsspenden-Anhängigkeit los kommen. Der Eifer der dort engagierten Laien ist für mich eine besondere Freude.

Auslandsspenden-Abhängigkeit! Unsere Landeswährung steht im Moment international so hoch im Kurs, dass wir für Ihre/Eure grossherzigen Euro-Spenden so viel weniger Real bekommen, dass wir statt der vorgesehenen 20.000 Euro dieses Jahr ständig 30.000 pro Monat verbrauchten, bis wir am Schluss wegen oft verzögerter Information feststellen mussten, dass darunter auch zweckgebunde Gelder waren.

So stehen wir am Jahresschluss am Rande des Ruins und müssen nun über noch schärfere Einsparungen nachdenken. Und müssen auch unser Kirchenvolk davon überzeugen, dass wir uns im Wesentlichen selber unterhalten müssen.

Für November 2007 haben wir unsere 7. Diözesanversammlung geplant und inzwischen begonnen, uns darauf vorzubereiten. Thema: "Die Sendung der Kirche von Coroatá angesichts der Herausforderungen von heute." Leitspruch: "Ich weiß, wem ich geglaubt habe" (2.Tim. 1,12). Wir haben schon ein Vorbereitungsbüchlein für alle Pfarreien und Gruppen des Bistums erstellt. Inhaltlich berührt sich vieles mit der Vorbereitung auf die 5. Konferenz der Lateinamerikanischen Bischöfe, die im Mai 2007 in Aparecida (Brasilien) stattfinden soll, anknüpfend an die großen Vorgängerkonferenzen von Medellin, Puebla usw.. Zur Eröffnung hat sich Papst Benedikt angesagt.

Möge all dies helfen, dass wir so lebendig Kirche sein können, wie es in der heutigen Welt nötig ist. Dazu braucht es nicht nur unser Tun und Rennen, sondern vor allem Gottes Gnade. Um diese mit uns zu erbeten bitte ich Sie und Euch alle am meisten.

In steter, ganz großer Dankbarkeit,

                                                       Ihr/Euer
                                                       + Reinhard Pünder
 
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