Gewalt auf dem Land nimmt wieder zu

Behörden, Polizei und Justiz meist willige Helfer der Mächtigen

Nach einigen Jahren gewisser Ruhe häufen sich wieder die Fälle, dass lokale Großgrundbesitzer oder Agrarfirmen aus dem Süden, die sich, meist um Zuckerrohr oder Soja anzubauen, Eigentumsdokumente über riesige Flächen besorgt haben, die dort seit Jahrzehnten siedelnden Subsistenzbauern und ihre Familien brutal zu vertreiben suchen. Deren „Besitzrecht durch friedliche Nutzung“ ist nicht durch Dokumente gesichert und müsste mühselig recherchiert werden. Bewaffnete Angestellte fordern also unter Morddrohung die Freigabe des Landes, und sollten die Bauern nach kurzer Flucht wieder zurückkommen, wird ein willfähriges Gericht angerufen, das auf Grund der Papierlage die „Wiederherstellung des Besitzrechtes“ verfügt, und zwar das der Großeigentümer.

Grund der verschlechterten Lage ist die unglaubliche Macht der herrschenden Eliten in Maranhão, die Präsident Lula für seine Koalition braucht und deshalb gewähren lässt. Die für die Agrarreform zuständige Behörde verschleppt einfach die Lösung (Einzelfälle stehen schon seit zehn Jahren an!), nicht zuständige Gerichte entscheiden nach Gefälligkeit (und ?!?), die Polizei tut, wofür sie bezahlt wird. Der Landpastoralkommission des Bistums (CPT) gelingt es zwar gelegentlich, Bundesbehörden zu einer Untersuchung zu bewegen, aber deren Anordnungen werden nicht oder nur hinhaltend befolgt.

Besonders bedroht sind „Quilombo“-Dörfer ehemaliger Sklavenfamilien, denen per Gesetz schützende Sonderrechte zustehen würden. Die CPT berichtet für dieses Jahr bis Oktober von elf solcher Fälle mit mehreren hundert betroffenen Familien, von Morddrohungen, vor allem gegenüber den Wortführern, von Schussverletzungen und Niederbrennen von Häusern. In einem Fall wurden Viehherden auf die Äcker der Bauern getrieben, die die gesamte Reisernte dieses Jahres abfraßen.

(Info: CPT Coroatá)
 
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