Martins ÷kozentrum: "Niederschmetternd!"***

"Manchmal gehe ich durch den Garten und wünsche, Ihr könntet mit eigenen Augen sehen, wie toll alles gediehen ist ... – Neben dem, was wir für uns brauchen, verkaufen wir Ananas, Paprika und Suppengrün. Bis November konnten wir Bio-Reis vom viertelhektargroßen Reisfeld ernten. Pro Monat haben wir für drei bis zwölf Tage zwei bis vier Bäuerinnen und Bauern zum Erfgahrungsaustausch und Mitarbeiten bei uns, dazu viele Besuche, allein von August bis Dezember 2008 300 bis 350 Personen. Sie kommen, weil schon viel über uns gesprochen wird. Viele sind einfach neugierig oder schauen sich beim Paprikakauf im Gelände um und fragen, wir wir es machen; geredet wird dabei über alles. Dann geben wir schon einmal Pflanzgut oder Samen mit oder bieten eine selbstgemachte Bionade an. Mit Freunden tauschen wir 'Landerzeugnisse', Saatgut und Dienstleistungen. Die bei uns mitgearbeitet haben, nehmen nach eigenen  Aussagen viel an "Know-how" mit. Mehrere legten zu Hause selbst Gemüsebeete an ..." (Martin im Januar an seine Freunde)

Martin Micha, ein deutscher Forstwirt in Pirapemas: klicken Sie hier
Martin Micha - ein "verrückter Helfer"? - Brasilienbrief 2008: klicken Sie hier

Ausführlicher Fotobericht zum Hochwasser von Martin Micha: klicken Sie hier

Schon öffnen sich neue Perspektiven

Gott Dank: Für dieses Jahr müssen wir hier kein weiteres Hochwasser befürchten. Aber allein in Pirapemas mussten neunhundert Familien ihre Häuser verlassen und in Notunterkünften oder bei Freunden Unterschlupf suchen. Sehr viele verloren große Teile ihrer Manjok- und Reisernte durch Überflutung ihrer Felder.

Martin Micha im HochwasserAuch unser "Öko-Laboratorium", von vielen Gästen aus nah und fern besucht und studiert, hat sehr stark gelitten. Gerade glaubten wir, unsere Aufbauarbeiten seien mit der Einweihung von Silohaus und Regenwassersammlung abgeschlossen, da erreichte uns in der Nacht vom 2. auf 3. Mai das unerwartet starke Hochwasser und strömte mehr als eine Woche durch unsere Pflanzungen, Ställe und Wohnhäuser, schließlich bis 1,8 m hoch. Lehmwände, Schränke und Betten wurden aufgeweicht, schwammen weg oder brachen zusammen. Das Inventar schleppten wir von Haus zu Haus weiter nach oben, bis wir am Silohaus ankamen, das aber schließlich auch überschwemmt wurde; die Silage wurde aufgeweicht und unbrauchbar. Wir kamen in Häusern unserer Freunde unter. Von dem weitgehend geretteten Geflügel mussten wir fast alles verkaufen.

Niederschmetternd nach Abzug des Wassers die Schäden: Gemüse, Paprikas, Kräuter, Papayas, Fruchtkakteen; Bodendecker, Kompost, Mulch und Gehegeeinzäunung: Alles weg. Nur die größeren Ananasstauden werden vielleicht überleben, die Ernte von 2500 bis 3300 Ananas für dieses Jahr verloren, damit verbunden die wertvollen Ananassetzlinge.

Da wir gewohnt waren, viel Obst und Gemüse zu essen, traf uns der Verlust unserer Pflanzen und Sträucher besonders hart. Wir müssen uns jetzt wie alle anderen mit weniger vitalen Lebensmitteln wie geschältem Reis, Ölsardinen und Speiseöl etc. begnügen, die wir wie die anderen Betroffenen durch staatliche Hilfsprogramme erhalten, die für größere Familien nicht einmal ausreichen. Auch wir wurden für die staatliche Wiederaufbauhilfe katastriert und hoffen, dass die örtliche Verwaltung sie auch an die Betroffenen weiterleitet.

Da die Trockenzeiten hier tendenziell heißer und länger dauernder werden und die Regenperioden instabiler, werden wir in Zukunft Kulturen anpflanzen und pflegen, die weniger bewässerungsabhängig und hochwasserempfindlich sind. Auch überlegen wir, ob wir nicht weiter im Interior eine Art Außenstation unseres Laboratoriums gründen sollen, wo wir gemeinschaftlich unsere Felder anlegen, Gemüse anbauen und Tiere züchten können. Wenn es soweit ist, werden wir davon berichten.

Martin Micha, Pirapemas
 
Die CPT beobachtet folgende Veränderungen durch Martins Arbeit: Bildung von  Frauengruppen in den Munizipien Timbiras und S. Mateus: 50 pflanzen zu Hause Gemüse, 10 haben Grüngärten angelegt. In zwei Comunidades wird müde gewordenes Gelände aufgearbeitet. Gruppen tauschen traditionelle Samen  untereinander. Information über Umweltfragen und Aufforstung der Uferregion; Kampf gegen Umweltfrevel. Anstauung von Wasser zur Produktionssteigerung. Fassung von fünf Quellenanlagen. Mehr Produktvielfalt. Einbeziehung der Frauen in den Produktionsprozess. Stärkung der Solidarität untereinander.
 
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