Brief von Bischof Reinhard

Liebe Freunde und Wohltäter des Bistums Coroatá,

es ist ein eigenartiges Gefühl, meinen Beitrag zum diesjährigen Brasilienbrief diesmal auf Ihrer Seite des Ozeans zu schreiben, ganz aus Ihrer Nähe. Aber der Liebe Gott (ich nenne Ihn am liebsten immer noch so) hat mir nun halt diese neue Aufgabe gestellt: nicht pastoral aktiv inmitten der Diözese meinen Dienst zu tun, sondern - von wenigen Ausnahmen des Ratens und Mitüberlegens aus der Ferne - die Mitarbeiter und den Herrn der Kirche selbst wirken zu lassen und selber "nur" zu beten und die eine oder andere kleine Unpässlichkeit aufzuopfern, damit alles recht wird und das Gute (weiter) wächst.

Krankenbesuch
Mit liebem Besuch, kurz nach Erhalt der Diagnose

Dies ist eine richtige Gnadenzeit für mich. Noch nie konnte ich so konkret und ausdrücklich die Liebe und Fürsorge so vieler guter Menschen erleben wie seit dem Augenblick, wo mir das Bauchspeicheldrüsen-Karzinom diagnostiziert wurde. Und noch nie durfte ich mich fast unablässig in der bewussten Nähe des gütigen Gottes fühlen wie jetzt. Ich brauche nur mich selbst zu vergessen, bei Ihm und all denen zu sein, die mir ihre Liebe erweisen, und schon bin ich im „Leben“ und hänge nicht in einem hinfälligen Körper herum. Für’s Bistum Coroatá versuche ich aus meiner Lage die Lehre zu ziehen und zu vermitteln, dass es das ist, worauf es zunächst einmal ankommt: wirklich als Geschwister in der Familie Gottes zu leben.

Stellen Sie sich vor: Da haben doch meine Leute drüben bei all ihren begrenzten Möglichkeiten eine große Sammelaktion für ihren Bischof organisiert: „So eine Behandlung sei  doch sicher sehr teuer, und daran wollen auch wir uns beteiligen, nicht immer nur empfangen.“ Das hat mich und meine hiesigen Freunde tief bewegt. Und tatsächlich: Durch meine deutsche Krankenversicherung, die Hilfe meines hiesigen Heimatbistums Limburg und meine brasilianischen Diözesanen lassen sich alle Kosten decken. Ich habe ihnen geschrieben: Wunderbar, so soll es sein, aber nicht nur, wenn es um euren Bischof geht, sondern immer, wenn ein „Nächster“ neben euch eure Hilfe braucht. Das macht euch selber froh, und dem Beschenkten gibt diese Solidarität Kraft und Ansporn und macht ihn „heiler“. Es liegt doch sowieso alles in Gottes Hand. Sie, meine lieben deutschen Helfer, brauchen sich also meinetwegen keinerlei Gedanken zu machen.

Möge Ihnen, möge euch dieser Brasilienbrief ein bisschen Freude und Mut machen auf dem Weg unseres wunderbaren Glaubens an den dreieinigen Gott der Liebe, der uns nach Seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat, damit wir uns darin verwirklichen. Er vergelte reichlichst alles Gute, das wir durch Sie / durch euch empfangen durften und verwandle es in Segen für euch selber, von denen uns wieder so bewundernswert große Hilfe kam.

In diesem Sinne - in der alle Menschen umfassenden Gottesfamilie - ein aus tiefstem Herzen frohes Weihnachten und wirklich gutes Neues Jahr! Wie viel ist da heute in dem globalen Dorf zu tun, in dem wir immer mehr leben ...!

Ihr / Euer
+ Reinhard Pünder

Bischof Reinhard erhielt die Diagnose Ende August, unmittelbar vor dem geplanten Rückflug von seiner Sommerkur in Süddeutschland. Eine Überfülle anstehender Aufgaben hätte ihn erwartet; der Flug musste abgesagt werden. Die untersuchenden Ärzte teilten ihm mit: Eine Operation bringe eine Besserung in höchstens 25 % der Fälle, aber auch dann werde die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sein. Er entschloss sich also, konsequent den Weg zu gehen, den er seit jeher bevorzugte: Nur Heilmethoden zuzulassen, die die natürlichen Abwehrkräfte aktivieren.

Er will in absehbarer Zeit – und sei es als Kranker – in sein Bistum zurückkehren. Die Hoffnung, bald einen Koadjutor zu bekommen, hat sich durch die Mitteilung des Nuntius verstärkt, dass der „Prozess” mit den üblichen drei Kandidaten in Rom angelangt sei.

Siehe auch Krankheitsbulletin

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