Weiteres Update von Pe. José aus Codó (mit Fotos)

24. Mai 2009 - Wir erhielten viele Solidaritätsbezeugungen für die Opfer der Überschwemmungen, sei es in Wort oder Tat, im Gebet oder finanzieller Hilfe. Dafür ein herzliches Vergelts Gott.

Erstaunlich, dass viele schreiben, dass die Medien in Deutschland kaum davon berichten, wo doch die Überschwemmungen, die den Norden und Nordosten Brasiliens betreffen, ein Ausmaß von fast der Größe Europas haben. Fast die Hälfte der Städte Maranhãos ist von den Überschwemmungen betroffen, 95 von insgesamt 217. Insgesamt schätzt man die Zahl der Obdachlosen auf Grund des Hochwassers allein im Bundesstaat Maranhão auf 183.000, in Codó sind es 6.400. Befremdlich, dass die Medien Deutschlands es nicht für wert befinden, davon zu berichten. Vielleicht hat das Thema keine politische oder wirtschaftliche Revelanz oder wer weiß.

Gasübergabe

Gasübergabe

Hier in Codó hat der Fluss immer noch Hochwasser, zwar nicht mehr in dem Ausmaß, aber der Wasserspiegel ist immer noch über dem Normalpegel, obwohl er schon sieben bis acht Meter gesunken ist. Regen fällt immer noch, aber nicht mehr in den Massen. Gestern und heute scheint die Sonne. Sie kann ein wenig die Häuser und den Morast trocknen. Der Notstand ist inzwischen aufgehoben. Außer einem hohen Fieber, das doch viele betrifft, die in den Wassern wateten oder zu früh in ihre nassen und feuchten Häuser zurückgekehrt sind, sind Gott sei Dank bisher keine Seuchenkrankheiten ausgebrochen. Die Stadt versorgte die Menschen mit dem Nötigsten: Esspakete, Kleidung, Putzmaterial und zum Teil Matratzen, Gas für die Herde. Aus unseren Zentren und Häusern der Pfarrei, wo 61 Familien beherbergt waren, sind ein Großteil in ihre Häuser zurückgekehrt. 13 Familien sind noch in unseren Räumen. Einige werden in dieser Woche heimkehren, die restlichen sieben wissen noch nicht, wohin. Ihre Häuser oder besser Hütten sind zerstört. Die anderen Familien arbeiten, um ihre Häuser zu reparieren.

Provisorische Schule

Provisorische Schule

Die Mittel, die wir bekommen, setzen wir - in Absprache mit unserem Diözesanbischof - nicht auf gleicher Ebene wie die Stadt ein, um diese nicht ihrer Verantwortung zu entbinden, sondern dort, wo der Arm der Stadt die Bedürfnisse der durch die Hochwasser Geschädigten (noch) nicht erreicht: Material für die notdürftige Ausbesserung der Häuser, hauptsätzlich Lehm und Kies für die Wände der Lehmhäuser, Zement und Sand für geschädigte Ziegelhäuser sowie für abgesackte Fussböden, einen Lastwagen, der die Plumpsklos in den Gärten absaugt, die voller Wasser sind, aber auch anderes zerstörtes Material, wo die Stadt noch zu langsam reagiert und eine Soforthilfe nötig ist: Essen, Kleidung, Matratzen und Hausutensilien, Reparatur von Schränken, Betten, Waschbecken usw.. Trotzdem werden wir es aber auch nicht unterlassen, die Regierung an ihre Verantwortung zu erinnern.

Schule im Interior

Schule im Interior

Unsere Kirchenverwaltung fungiert als Krisenstab. Von ihren insgesamt acht Mitglieder sind fünf betroffen von den Hochwassern und mussten evakuiert werden. Gott sei Dank haben wir in ihm einen handelnden Rat, der verantwortungsvoll agiert, sowie gute und fähige Leute in der Pfarrei, die sich freiwillig zur Verfügung stellen, um die geschädigten Familien in ihren Häusern zu besuchen, und eine Aufstellung zu machen, was an Nötigstem fehlt. Dabei registrierten sie, dass fast 200 Häuser ganz oder teilweise zerstört sind. Einen guten Teil unserer Hilfe setzen wir für Leute in einem Stadtteil ein, der nicht zu unserer Pfarrei gehört, aber durch seine tiefe Lage am meisten geschädigt ist.

Familie von Dona Graca

Familie von Dona Graça

Für die Frau mit ihren 10 Kindern, Dona Graça, deren Haus, in dem sie zur Miete war, und das eingestürzt ist (ich berichtete im letzten Brief davon), hat sich eine Lösung ergeben. Der Besitzer wollte es nicht mehr aufbauen, weil er sagte, dass er kein Geld habe. Wir schickten einen Maurer aus der Pfarrei, um einen Kostenvoranschlag zu machen. Wahrscheinlich schämte sich dann der Besitzer, denn er sagte, wenn die Pfarrei ein wenig mit Materialkosten hilft, drei Lastwagen mit Kies, um den Boden aufzufüllen, wird er das Haus restaurieren. Dona Graça mit ihren Kindern ist glücklich, wieder in "ihr" Haus zurückkehren zu können. Die Ausgaben belaufen sich auf keine 100 Euro.

Haus von Dona Graca
 
Haus von Dona Graça
 
Innenansicht des Hauses von Dona Graca
 
Innenansicht des Hauses von Dona Graça

Garten von Dona Graca

Garten von Dona Graça

Beeindruckend, dass die Menschen ihr Schicksal mehr oder weniger gelassen hinnehmen und ihren Tag, ihr Leben gestalten, sich anscheinend leicht an die neue Situation in den Herbergen anpassen und Hoffnung ausstrahlen. Man findet keine Verzweiflungen. Man hat den Eindruck, die Armen sind es gewohnt, mit Verlusten zu leben. Vieles geht in ihrem Leben nicht auf. Das Leben prägt sie. Sie nehmen das Leben und seine Umstände an und geben damit ein christliches Zeugnis, ohne dass sie es wissen. Die Reichen tun sich da schwerer. Das ist kein Urteil, nur eine Feststellung.

Kapelle Interior
 
Kapelle im Interior

Bei unserem Stadteilfest "Unsere Liebe Frau von Fatima" am 13. Mai ist es wie bei allen religiösen Festen der Brauch, dass am Schluss eine Versteigerung von Objekten stattfindet, die die Gläubigen bringen, um zu den Ausgaben der Kirche, sprich der Gemeinde etwas beizusteuern. Eine Frau mit drei kleinen Kindern, auf Grund des Hochwassers selbst obdachlos und in unserem Kindergarten untergebracht, kaufte die Zutaten und backte zwei Kuchen für die Versteigerung. Für mich ein beeindruckendes Beispiel wie jemand, der Not und Elend am eigenen Leib erfährt, offen sein kann für andere und die Comunidade, ja wie man sich eben in der Comunidade als Mitglied wie in einer Familie fühlt, sich angenommen weiß und seinen Beitrag leistet.

Zerstörter Ofen für Maniokmehl
 
Zerstörter Ofen für Maniokmehl

Eine andere Sache ist, dass wir von einer unserer Basisgemeinschaften im Interior wissen, die am Flussufer liegt, und schwer von der Überschwemmung heimgesucht wurde. Am 13. Mai, am Festtag "Unsere Liebe Frau von Fatima", wäre die Jahresmesse mit Taufen und Hochzeiten gewesen. Sie sagten ab, da die meisten Häuser und die Kapelle unter Wasser standen. Dieser Tage besuchten wir sie, nachdem die Wasser soweit gesunken waren, dass eine Zufahrt möglich war. Neun Familien sind betroffen. Nicht nur Häuser waren ruiniert, sondern auch Reis-, Manjok-, Mais- und Bohnenfelder durch die Überschwemmungen verlorengegangen. Damit fällt die Jahresernte aus. Viele Hühner starben, die Enten, die viele aufziehen, schwammen mit dem Hochwasser davon. Eine Fami­lie, die gerade während des Hochwassers in Codó war, verlor Herd, Kühlschrank, Bett und Kleiderschrank samt Kleidern. Eine Familie konnte ihre Hühner auf dem Hausdach sichern. Jeden Tag warfen sie Futter auf das Dach, damit die Hühner nicht herunterkamen und ertranken. Die Hilfe der Regierung ist dort noch recht spärlich. Sie half nur mit drei Esspaketen. Wir brachten einige Säcke voller Wäsche und werden die nächsten Tage weitere Hilfe mobilisieren. Aber sicherlich wird hier kontinuierliche Assistenz nötig sein, u. a. auch in Form von Saatgut und Kuhmist als Dünger.

Zerstörte Felder

Zerstörte Felder

Zerstörte Felder

Eine andere Geschichte muss ich Euch noch erzählen: So als ob die Sorgen der Obdachlosen auf Grund des Hochwassers nicht reichten, wurde eine Familie in unserem Pfarrzentrum beherbergt, zu der ein Bandit gehörte, ein Mann, der bereits mit der Polizei in Konflikt steht, und mit ihr Schüsse gewechselt hat, des Raubes angeklagt und flüchtig ist. Er kam und ging und bei der Masse der Menschen verlor man die Kontrolle, ob er letztlich im Zentrum war oder nicht. Die Familien kannten ihn, trauten sich aber nicht auszusagen, hatten Angst, der Bandit würde ihnen dann was antun, so wie es hier allgemeiner Brauch ist. Ich rief die Polizei, sobald ich die Story wusste, sie kam, suchte eine halbe Stunde, ging wieder und sagte, der Mann sei nicht da. Sobald sie fort war, schwang sich der Mann auf ein Motorrad und fuhr davon. Er hatte sich unter einem Bett versteckt. Trotz dieses Vorfalls kam er des Öfteren ins Zentrum, aß und ruhte sich aus. Nur erfuhren wir - ich - nie genau wann. Schließlich kam der Tag, an dem die Polizei ihn schnappte. Wir baten ein Kind im Zentrum, es sollte nachschauen, ob der Bandit da sei. Seine Familie hatte ein Quartier hinter einem Vorhang aufgeschlagen, und die Notiz kursierte schon, dass er mit hohem Fieber im Bett liegt. Das Mädchen bestätigte seine Anwesenheit. Die Polizei kam, trat ein und fand ihn nicht, wollte wieder abziehen. Nur durch meine Beharrlichkeit, dass er im Zentrum sei, fand sie ihn nach einer halben Stunde Suche unter einem Sofa und nahm ihn mit aufs Polizeirevier. Dort entdeckte man, dass besagter Bandit zu einer organisierten Räuberbande gehört, die Autos, Motorräder, Klimaanlagen, Handys, Computer etc. stiehlt und in Coroatá, der 60 km entfernten Bischofsstadt, verkauft. Dort hob die Polizei ein ganzes Depot aus und fasste zwei weitere Banditen. Nun, die Schwester von ihm brachte seine Geburtsurkunde aufs Polizeirevier und bewies damit, dass ihr Bruder minderjährig, also noch keine 18 Jahre alt ist. Damit war er wieder frei. - Damit wieder Frieden in den Familien, die unserem Zentrum beherbergt sind, einkehre, baten wir die Stadt, den Umzug besagter Leute aus unserem Zentrum in eine andere Herberge zu organisieren, was sie auch tat. Übrigens half unser Bandit beim Umzug mit. Er musste sich ja jetzt nicht mehr verstecken. - Die Familien, die im Zentrum blieben, atmeten auf.

Zerstörtes Hochbeet

Zerstörtes Hochbeet

 

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

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Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

 Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

Folgen der Flut

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