Maria Detert berichtet aus Cantanhede und Pirapemas (mit Fotos)

19. Mai 2009 - Wir melden Land unter! Es gibt zur Zeit das größte Hochwasser seit 50 Jahren, das auch in Cantanhede großen Schaden angerichtet hat. Im Anhang ein paar Fotos von der Lage. Gleichzeitig haben die Wasserfälle von Iguacu fast kein Wasser mehr.

Unser Haus steht nicht unter Wasser, die Schule in Pirapemas hat allerdings sehr gelitten. Ein Teil des Fußbodens hat Risse und ist abgesackt, der "Bürgersteig" um das Gebäude ist kaputt, die Wände brauchen einen Verputz und am besten bis auf 1,50 m auch Fliesen. Das viele Wasser hat die Steine mächtig aufgeweicht und der "Bürgersteig" wurde unterflutet, so dass er komplett gerissen und abgesackt ist. Da wir das Gebäude auf Pfeilern gebaut haben und nicht auf normalen Fundamenten, gibt es keine strukurellen Probleme am Bau selbst.

Die Straße nach Pirapemas ist an einer Stelle gebrochen und war bis Donnerstag letzter Woche  unpassierbar.

Gebrochene Straße

Von der Strömung wurden zwei Motorräder abgetrieben und auch mehrere Radfahrer, die aber alle schwimmen und sich retten konnten. Seit Freitag kann man wieder durchfahren, aber es regnet wieder neu und nachdem der Wasserstand ein bisschen gefallen ist, steigt er nun wieder. Die Regionen am Unterlauf des Itapecuru bekommen ja noch das gesamte Wasser, das am Oberlauf und Mittellauf gefallen ist, und alles Wasser muss letzlich durch Pirapemas und Cantanhede, dann weiter nach Itapecuru und Santa Rita bis schließlich nach Rosario, um dann ins Meer zu fließen.

Wir haben auch Sorge um unser Regenwassersammelbecken, da der Wasserstand außen ein paar Tagen höher war als innen und die Wand von beiden Seiten aufweicht. Hoffentlich hält die Wand, aber wir müssen sie wohl für die nächste Regenzeit verstärken.

Überflutung

Viele Menschen haben alles verloren, auch ihre Reisfelder, die beinahe reif waren. Das Wasser ist so schnell gestiegen, dass sie keine Zeit zum Ernten hatten. Martin ist ebenfalls stark betroffen und hat wohl den grüßten Teil seiner Anpflanzung verloren. Das Haus ist auch sehr beschädigt. Er wohnt ja direkt am Flussufer. Man konnte zu ihm nur noch mit dem Boot kommen.

Überflutung

Unsere Projekte gehen weiter. Alle Kurse haben wir allerdings für diesen Monat gestrichen, da niemand Zeit dafür hat. Seit März regnet es und normalerweise ist es im Mai schon wieder trocken. Wir hatten sechs Kurse im Programm, mit der Katzenkralle und Milchverarbeitung sowie ein Ziegenkurs. Unsere Bäume, die im letzten Jahr mit etwa 30 bis 50 cm groß waren, sind jetzt größer als ich. Einige sind schon fast 2,50 m.

Zwei Baumschulen sind auch unter Wasser und alle Bäumchen sind wohl schon abgestorben. Immerhin haben wir noch 8000 Bäume gerettet und werden sie, nachdem das Wasser wieder weg ist, auspflanzen und die Weideforstsysteme weiter ausbauen.

Überflutung

Für unsere Ziegen, von denen 25 jetzt Junge haben, haben wir Biertreber gekauft.Sie haben viel Milch. Die Kühe werden erst im Juni/Juli kalben. Somit kommen sie mit dem vielen Regen einigermaßen zurecht und kommen nur dann auf die Weide, wenn es mal trocken ist. Wie allgemein bekannt, mögen die Ziegen nicht so viel Wasser und die kleinen Ziegen würden den Weidegang gar nicht überleben.

Menschen auf einem Boot

Mit Padre Hans aus der Diocese Florinao haben wir seit dem Besuch aus meiner Heimatgemeinde viel Kontakt und die Sonnenenergieanlagen für Florino und für Codó kommen erst mal zu uns. Wir planen einen Kurs für junge Burschen aus den Comunidades, damit sie die Anlagen warten können. Der deutsche Ingenieur Karl Peter Zimmermann aus São Paulo war schon einmal hier und wird mit uns und den Leuten aus Codó und aus Floriano die Anlagen aufbauen. Hoffentlich in Verbindung mit dem Kurs über Sonnenenergie, so dass die Schüler gleich praxisnah lernen. Padre Hans ist zurzeit in Österreich. Das ist der Grund, warum ich die Sache mit der Sonnenenergie abwickeln soll.

Alle Schulen, der Salao Paroquial und auch die Kindergärten in Cantanhede und Pirapemas sind mit Familien besetzt, die nicht in ihren Häusern bleiben konnten. Mein ältester Sohn Sebastian arbeitet jetzt als Krankenpfleger für die Stadt Cantanhede und arbeitet die ganze Woche mit der Feuerwehr, dem Militär und der Defesa Civil an der Evakuierung der Menschen sowie an der medizinischen Betreuung. Eigentlich hat er nur einen Vertrag für drei Tage Arbeit die Woche. Doch in dieser Ausnahmesituation arbeiten alle von Montag bis Montag.

Überflutung

Jetzt geht das Wasser langsam zurück. Doch das macht auch Sorge wegen vieler Krankheiten und einem hohen Aufkommen von Mücken. Die städtische Wasserversorgung wurde unterbrochen, die Brunnen sind zum Teil auch überflutet und die schlechte Wasserqualität führt zu Durchfall und anderen Problemen. Wir selbst trinken nur noch Regenwasser.

Ein weiteres Problem nach der ersten Nothilfe ist die Sorge um den Verlust der Ernte so vieler Familien. Die Nothilfe der Regierung wird dies nicht so schnell lösen.

Noch ein paar Zahlen: In Cantanhede sind mehr als 600 Familien evakuiert in Pirapemas mehr als 700 Familien. Das sind etwa 2500 Menschen in Cantanhede und fast 3000 in Pirapemas.

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.