Sr Beatriz-Maria berichtet aus Timbiras (mit Fotos)

5. Mai 2009 - Ich bin Pallottinerin und lebe in Timbiras. Seit ca. zwei Wochen regnet es sehr stark und so sind alle Flüsse stark angestiegen.

Die Lehmhäuser halten nicht stand.
Die Lehmhäuser halten dem Wasser nicht stand

Zuerst brach ein kleiner Staudamm auf dem Weg nach Timbiras und unterspülte den Brückenkopf, der abriss. Es wurde   notfallmäßig ein Weg gebaggert, der jedesmal nach starken Regenfällen für Personenwagen unpassierbar ist.

Vor zwei Tagen brach ein zweiter Brückenkopf ein. Es gibt keinen Transport mehr nach Timbiras (auch die dortige Brücke am Ortseingang "Anjo da Guarda" ist überschwemmt. Man kommt nur nur mit einem Boot in die Stadt.) Ein großer Umweg über die Bundesstraße und die Diözesanstadt Coroatá ist nötig, aber auch dieser Weg ist nicht mehr für normale Autos passierbar.

Schon seit zwei Wochen sind im Pfarrzentrum von Timbiras, das feucht und in einem schlechten Allgemeinzustand ist, 25 Personen untergebracht. Es waren die ersten vom Stadtteil São Sebastião. Inzwischen ist in Timbiras ein ganzer Stadtteil überflutet und etwa 600 Familien wurden evakuiert, die bei Verwandten, in unseren fünf kirchlichen Gemeindezentren und Kapellen und zuletzt auch in den Schulen untergebracht wurden. Die große Brücke über den Itapecurú ist gesperrt, da die Wassermassen die Brücke einzureißen drohen. Das Telefon funktioniert nicht mehr - nur das Internet, solange Strom da ist. Auch das Leitungswasser fehlt. Alles Wasser muss aus Brunnen gezogen werden.

Innenansicht eines betroffenen Hauses
Innenansicht eines betroffenen Hauses

Der Fluss Itapecuru, der durch die ganze Diözese fließt, steigt ständig: z.Z. 6,5 m über dem normalen Niveau. Alle Ufer sind überschwemmt. Die große Bundesstraße zur Hauptstadt São Luis ist an einer Stelle viele Meter weggespült worden: das Militär setzt die Personen mit Booten über ...

Viele Schulen sind belegt, das Stadtzentrum in Codó ist unpassierbar, die Wasser drängen in die Geschäfte. Das Pfarrzentrum São Raimundo in Codó beherbert schon fast 300 Personen. Man kann nur noch mit einem hohen Auto (z.B. Landrover) zur anderen Stadtseite.

In unserer Gegend ist es etwas hügelig, so dass viele Familien bei Verwandten in deren kleinen Häusern unterkommen. So sind auch unsere Schwesternhäuser (in Timbiras und Codó) sicher. Leider warteten viele zu lange, um die wichtigste Habe zu retten. Z. B. steht das mühsam errichtete Steinhaus der Familie unser Mitschwester Joelma ca 1.80 m im Wasser. Daneben steht die frisch renovierte Kapelle São Francisco!!!

Die Lehmhauser werden einfach vom Wasser aus- und dann teilweise weggespült.

Seit anderthalb Tagen hat es nicht mehr geregnet. Doch die Wasserspiegel sinken nicht: Die vielen Staudämme öffnen einige Tore, damit es keine größeren Katastrophen gibt.

Im Bundesstaat Piaui, mit der Bundeshauptstadt Teresina ist es schlimmer: Dort ist der große Fluss Parnaiba, in den ein anderer Fluss, der Poti, mündet. Sie sind 14 m über dem normalen Niveau. Riesige Stadtviertel sind bis zu den Dächern unter Wasser. Es besteht die Gefahr, dass die Wassermassen die Brücke, bzw. die Straße nach Santa Maria unpassierbar machen werden. Dann ist der große Stadtteil, in dem unsere Schwestern wohnen, unerreichbar und es gibt  nur große Umwege, um weiter im Süden nach Teresina zu kommen.

Evakuierte in einer Schule
Evakuierte Bewohner in einer Schule

Nach mehrmaligen Versuchen bekam ich gestern endlich mit unserer Gemeinschaft eine Telefonverbindung. Die Schwestern sagen, dass es allen gut geht, aber sie doch viel Angst haben.

Während ich schreibe, beginnt es wieder zu regnen ...

Das Ganze wird durch eine feste Front verursacht, die den ganzen Norden und Nordosten durchzieht. Es wird vorhergesagt, dass dieses Phänomen noch bis Anfang Juni andauern soll!!!

Das kann bedrohlich werden - Lebensmittelversorgung, Krankheiten ... So gibt es viele Anstrengungen: Die Gesundheitshelfer, Ärzte werden mobilisiert, der Sozialdienst. Es gibt sehr viele Zeichen der Solidarität: Kleidersammlungen, Nachbarschaftshilfe ... In ganz Brasilien wird um Hilfe gebeten für den Norden und Nordosten.

Es ist zu hoffen, dass jeder das Seine tut. Leider gibt es aber auch schon Hausplünderungen.

Und möge Gott vielleicht doch ein anderen Wind wehen lassen!

Ich werde nun versuchen, zu senden, solange Strom da ist, da er oft aus Sicherheitsgründen abgestellt wird.