Katholische Wege zurück zu den Massen*** - nur online

Pe. Marcelo Rossi feiert mit 3 Mio einen Gottesdienst

Statistiker bestätigen die massenhafte Zunahme einiger neugegründeter pfingstlerischer Sektenkirchen, was dazu geführt hat, dass der Anteil der Katholiken an der brasilianischen Bevölkerung vielfach nur noch mit 65 % angegeben wird. Kritiker stellen die Frage, ob die hoffnungsvolle Entwicklung der katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu Einseitigkeiten geführt hat, die gerade einfache und arme Menschen, denen sich die Kirche ja bevorzugt zuwenden will, für die Versprechungen der Sekten aufgeschlossen macht. Genannt wird immer wieder, dass ihr Bedürfnis nach tief erlebter Spiritualität und mitreißender Emotionalität nicht mit dem starken sozialen Engagement und der theologischen Erneuerung, die oft als rational und intellektuell, manchmal sogar als ideologisch empfunden wird,  Schritt gehalten hat.

Der katholische Priester Mercelo Rossi, ein ehemaliger Spitzensportler, scheint einen Weg gefunden zu haben, der – ähnlich wie die Sektenkirchen, die bei uns so viel Aufmerksamkeit gefunden haben - die zu kurz gekommenen Bedürfnisse unzähliger Glaubensgeschwister wieder neu geweckt hat. Berichtet wird von einem Massengottesdienst im Autodrom von São Paulo, in dem sonst die Formel-1-Rennen ausgetragen werden. Drei Millionen Menschen sollen daran teilgenommen haben, weit mehr als an den Papstgottesdiensten des vergangenen Jahres.

Pe. Marcelo hat sich durch den Einsatz moderner Medienarbeit eine riesige Fangemeinde geschaffen. Er spricht sie durch tägliche Sendungen an und feiert mit ihnen jeden Sonntag einen begeisternden, als tief spirituell empfundenen Gottesdienst im Fernsehen. Die Zahl der von ihm verkauften CDs und DVDs hat die der beliebtesten Musiker bereits weit übertroffen. Viele von ihnen wirken bei den von ihm gefeierten Gottesdiensten inzwischen mit.

Rossi wird der katholischen charismatischen Erneuerung zugerechnet und muss sich innerkirchlich mit vielen Kritikern auseinandersetzen. Allerdings: Der Geist Gottes wirkt wo er will. An den Früchten wird man erkennen, wes Geistes er und seine Kritiker sind.

Quelle: Deutschlandfunk 27.4.08 (9.35 h: Aus Religion und Gesellschaft)

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