Aus der Diözese - Manoel Joćo: Wie die ersten Christen*** - nur online

Nach vier Jahrzehnten von Müdigkeit keine Spur

Selbst errichtete Kirche
Selbst errichtete Kirche der Gemeinde mit Tafel
des Gemeindegründers (l) und seinem Grab (r)

In Manoel João fühlt man sich an die Urkirche erinnert. 120 Familien sind es inzwischen. Sie bereiten gerade ihren 42. Gemeinde-Geburtstag vor, älter, als man sonst in Brasilien von Basisgemeinden spricht. Ihre Kirche musste zum zweiten Mal erweitert werden. Sie ist ausschließlich mit eigenen Mitteln gebaut. Abend für Abend treffen sie sich zum gemeinsamen Gebet. Die großen Feste feiern sie mit viel Fantasie und unter Teilnahme aller. Jeden ersten Freitag im Monat sammeln sie sich schon vor Sonnenaufgang am Eingang einer Art Meditationsgelände im nahen Wald, nähern sich als Gestus der Buße auf Knien langsam dem dortigen Altar, und beten dabei alle 15 Gesätze des Rosenkranzes. Sogar die Kranken lassen sich in Hängematten herbeitragen, weil keiner fehlen will. Wie in der Urkirche erzählen sie von erstaunlichen Gebetserhörungen und plötzlichen Heilungen.

Die begnadete Gemeindeleiterin
Da. Conceicão,
die begnadete
Gemeindeleiterin

Wir trafen bei einem spontanen Freundschaftsbesuch etwa 20 Frauen in fröhlicher Runde beim gemeinsamen Aufschlagen von Babaçú-Nüssen. Der Ertrag solle dieses Mal der Gemeindeleiterin zugute kommen. Ein ander Mal sei es irgend jemand anderes. Längst hat die Gemeinde es zu einer großen Rinderherde gebracht. Für jede eigene Kuh muss ein Arbeitstag zur Erhaltung des Weidelandes erbracht werden; die übrigen Rinder gehören allen gemeinsam zur Finanzierung der Gemeinschaftsaufgaben. Ihr jährliches Überschwemmungsgebiet wimmelt nur so von Fischen. Von überall her kommen Händler zum Einkauf; wenn aber eine Nachbargemeinde Hunger hat, bekommen sie eine Kiste Fische umsonst. Jeder ist für seine Reuse verantwortlich; entsprechend ist sein Anteil am Erlös.

Auch der Reis wird gemeinschaftlich angebaut und mit geliehenen Maschinen geerntet. Zwei große Speicher sind mittlerweile nötig und machen sie unabhängiger von spekulativen Preisschwankungen. Geschrotet wird in einer eigenen Anlage. Längst haben sie es zu einem riesigen Traktor gebracht; ein artesischer Brunnen versorgt alle Häuser mit Wasser; über ein Wohnbauprogramm sind sie mittlerweile alle aus Ziegeln errichtet. Das Dorf ist ans Stromnetzt angeschlossen und hat eine ausgebaute Zufahrtsstraße.

Der Fazendeiro, der sich lange Jahre auf ihrem Gebiet breit zu machen suchte, ist mittlerweile von den staatlichen Behörden enteignet und entschädigt worden und hat sich aus dem Staub gemacht.

Sr. Valentino – sein Name steht stolz wie der von Bürgermeistern und Provinzgouverneuren auf den Bautafeln -, Gründer und langjähriger Leiter der Gemeinde, hat die Verantwortung längst in jüngere Hände übergeben. Ein Höhepunkt war kürzlich der Besuch der Ministerpräsidentin des Staates. Sie war so beeindruckt, dass sie die vereinbarte Zeit um das Dreifache überzog und sich auf den nächsten Stationen überall entschuldigen musste.

Stolz erzählen sie, das sie alles aus eigener Kraft oder auf eigene Initiative mit Hilfe öffentlicher Programme erreicht haben. Sie sagen allerdings: "Durch Gottes Kraft"

Der Besuch war wie ein Traum: So könnte es sein, wenn alle Gemeinden in ähnlicher Glaubenskraft und dem daraus erwachsenden Selbstbewusstsein den begonnen Weg weitergingen. 42 Jahre: Von Müdigkeit keine Spur.

(Godehard Pünder)

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