Kommunalwahl 2008

Gott Dank haben wir dies hinter uns: Drei Monate pausenlose Beschallung durch Lautsprecherwagen, lärmende Umzüge, bis in die Nacht Wahlkundgebungen und danach noch Jubelfeiern mit Böllerschüssen der Gewinner.

Bei uns in Coroatá hat das weitaus geringere Übel gewonnen – Wiederwahl dessen, der das letzte Mal die jahrzehntelange Oligarchie entthront hat, die jetzt unbedingt wieder an die Finanztöpfe der Stadt zu kommen suchte. Ihnen gehört das Ortsfernsehen, das schon all die Jahre mit Lügen und Schlamm um sich warf und sich vor der Wahl so überbot, dass die Schüsse nach hinten los gingen. Denn es war wirklich in diesen Jahren hier in der Stadt und in den Landgemeinden so viel geschehen wie mehr als ein Jahrzehnt vorher nicht. Die Leute mögen ihren soviel bescheideneren Präfekten, trugen ihn einmal sogar jubelnd auf ihren Schultern, während der alte "Landlord" mit neun Bodygards herumlaufen muss. Zu seinen Gegenumzügen ließ er mit Bussen Leute aus Nachbarstädten herankarren. Holzbrücken mussten bewacht werden, damit seine Helfershelfer sie nicht abbrannten, um Wähler aus dem Interior an der Wahl zu hindern. - Kurz: Großes Aufatmen. Mit 6:4 (bisher 5:5) sogar eine klare Mehrheit im Stadtrat. Nun ja, auch seine Leute haben offensichtlich Stimmen gekauft, um saubere Kandidaten der eigenen Gruppe (so die Schulleiterin unseres Diözesankollegs) auszustechen.

Auch in Codó, Timbiras, Vargem Grande und Nina Rodrigues wurden die besseren Kandidaten gewählt. In vier Munizipien jedoch war das Ergebnis niederschmetternd und brachte unglaublich unfähige bzw. gerissene Typen an die Macht, einer von ihnen mit 13 Stimmen Vorsprung. Bei einem anderen fiel mitten bei der Auszählung der Strom aus und was Wunder: danach holte der bisher zurück Liegende erstaunlich auf und siegte schließlich. Vor lauter Wut zertrümmerten die Anhänger des zu Unrecht Unterlegenen die gesamte Rathauseinrichtung, worauf die Sieger Rache nahmen ....

In den verbleibenden sechs Munizipien war das Wahlergebnis für die Kirche relativ irrelevant. Ganz allgemein zeigte sich, dass Kandidaten, die ohne Korruption auskommen wollen, es immer schwerer haben, die Wahl zu gewinnen. Viele der bettelarmen Wähler stecken gerne die angebotenen 20, 50 oder 100 R$ ein, und auch wenn sie wissen, dass sie auch dann noch frei sind, gebietet ihnen irgend ein Ehrenkodex, dem "Wohltäter" ihre Stimme zu geben. Das politische Bewusstsein ist bei den meisten noch viel zu schwach entwickelt und nur eine Minderheit glaubt überhaupt, dass es saubere Politik geben könne oder es Sinn habe, sich dafür einzusetzen. Für viele ist der Wahlkampf eher wie Karneval oder eine Fussballmeisterschaft: Spannend zu beobachten, wer gewinnen wird, und hoffentlich ist es mein Kandidat .... - Da haben wir noch viel Evangelisierungsarbeit zu leisten.

(Bischof Reinhard)

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