Startseite
Aktuell
Brasilienbriefe
Fakten
Bilder
Berichte
Bischöfe
Bistum
Siegel/Wappen
Spendenkonten
Presse
Links
Gästebuch
Newsletter
Suche
Datenschutz
Kontakt
Impressum
Archiv






Startseite arrow Brasilienbriefe arrow 2007 arrow Brief von Bischof Reinhard***

Brief von Bischof Reinhard*** PDF Drucken E-Mail

Liebe Freunde, Verwandte und Bekannte,
liebe Wohltäterinnen und Wohltäter unseres Bistums,

das Bistum Coroatá ist nun schon ins dreißigste Jahr seines Bestehens eingetreten. Vier der zwölf Diözesen Maranhãos haben, seit ich hier bin, schon den vierten Bischof, vier weitere den dritten, drei den zweiten. Nur Coroatá hatte in der ganzen Zeit nur den einen ..., wie ein Fossil aus alten Zeiten (?).

Dennoch muss sich alles dem ständig Neuen stellen. So wird seit über einem Jahr in allen Pfarreien unsere 7. Diözesanversammlung vorbereitet, die vom 15. bis 18. November stattfinden wird: als Rückblick und Gewissenserforschung über die Zeit seit den beiden letzten (2001 und 2004), und als Aufbruch angesichts der während des Vorbereitungsjahres in den Pfarreien erarbeiteten Herausforderungen, und dies im Lichte des (allgemein sehr gelobten) Schlussdokumentes der 5. Generalversammlung der Bischöfe Lateinamerikas und der Karibik in Aparecida im letzten Mai. Die Ergebnisse können Sie im nächsten Jahr nachlesen.

Oft wurde ich gefragt, wie der Papstbesuch hier von "innen" erlebt wurde, ebenso, wie es mit der Lula-Regierung weiter gegangen ist. Dazu finden Sie eigene Beiträge.

Dankerfüllt gedenke ich meiner und meiner Geschwister "Quasi-Schwester" Elisabeth Fricke, die, wenn es unter den Freunden und Gönnern des Bistums eine Olympiade gäbe, wohl die Goldmedaille gewonnen hätte. Sie hat - bezeichnend für sie - in der Osterwoche ihre irdische Pilgerschaft vollendet. Sie wurde frei von Jahren tapferst getragener physischer Leiden, auf die sie weniger achtete, weil sie - geradezu brennend - von unseren Sorgen, Kämpfen und Freuden erfüllt war, mit denen sie lebte. An so vielen Fronten half sie mit – zusammen mit ihren zahlreichen Freunden und Mitstreitern, denen ich hiermit auch meinen herzlichen Dank sagen darf, möchte und muss!!!

ieser Brasilienbrief geht nun auch denen zu, die bisher nur Elisabeths "grüne Briefe" erhielten. Vielleicht finden Sie darin Anliegen, Aktionen und Projekte, die Sie auch weiterhin unterstützen wollen. Sie können Ihre Spende weiterhin mit dem Zusatz "Hilfe zur Selbsthilfe" versehen; dann wissen wir, dass sie in besonderer Weise in Elisabeths Sinne verwendet werden müssen, z.B. im Diözesan-Solidaritätsfond, für die Arbeit mit Schulen, Lehrern und Kindern, im Gesundheitswesen oder für unsere Mönche, denen sie am Schluss gerne half, weil ihr in den Jahren immer klarer wurde: "Nur den Betern kann es noch gelingen. ..."

Danken möchte ich auch dem Erzbistum Köln für die jahrelange großherzige, unentgeldliche Verwaltung Ihrer Spenden für das Bistum Coroatá. Im Zuge der Straffung der dortigen Verwaltung ist dies auf Dauer nicht mehr möglich. Wir danken von Herzen für diese wertvolle Hilfe, die unter Verantwortung von Prälat Michel die Abteilung Weltkirche des Erzbistums übernommen und bis jetzt - wohl unter Opfern - weitergeführt hat. Wie damals mit Köln hat der Mitbegründer der "Brasilienhilfe Bischof Pünder", Dr. Bernd Potthast, geholfen, dass sich jetzt MISEREOR bereit erklärt hat, diese Aufgabe zu übernehmen. Mein Neffe Barthel Pünder, Bankdirektor in Düsseldorf, wird an anderer Stelle erklären, was das konkret bedeutet. Ihm gebührt ein weiterer besonderer Dank für seine fachkundige und selbstlose Hilfe, die er in Verwaltung Ihrer Spenden in Deutschland schon bisher geleistet hat.

Dieses Jahr brachte mir und den engeren Mitarbeitern hier im Bistum – viele von ihnen vorzügliche, ideal eingestellte und einsatzbereit und aufopferungsvoll mitarbeitende Laien - seit Dezember 2006 besonders schmerzliche Erfahrungen in unserem Klerus. Einiges war schon vorher geschehen: Die ersten drei Priester, die ich weihen durfte, sind nicht mehr bei uns: Einer ließ sich nach Jahren der Krise von Rom dispensieren; einer ließ sich zum Bürgermeister wählen und heiratete dann. Gott Dank ist er ein guter Bürgermeister und macht eifrig bei den Treffen der Politiker des Bistums mit, die wir seit Jahren ein bis zweimal im Jahr durchführen. Der Dritte scheiterte moralisch.

Die vergangenen zwölf Monate zeigten nun weitere Schwachstellen. Das zahlenmäßige Wachstum des Klerus im jungen Bistum - von 9 auf 31, von 5 auf 21 Einheimische - ist ja durchaus erfreulich. Es ging uns jedoch so, wie mir vor Jahren einmal ein erfahrener Bischof sagte: Wenn man keine Priester hat, ist dies ein "problema de padres" (Priestermangel), wenn man dann jedoch welche hat, bekommt man leicht "problemas com padres" (Priestermängel). Es schlägt beim einen oder anderen einfach durch, aus was für zerbrechlichen Familienverhältnissen viele unserer Kandidaten stammen und welche manchmal geradezu traumatischen Kindheitserfahrungen einige von ihnen gemacht haben. Dazu kommen die Eigenheiten hiesiger gewachsener "Strukturen". Die endemische Korruption, die hie und da auch vor Pfarreien nicht halt macht; die Seltenheit von durch Vertrauen getragenen zwischenmenschlichen Beziehungen, die beim einen oder anderen im Seminar nur scheinbar aufgebaut werden; u.a.m.. Da kann man bisweilen noch so viel von der Ausbildung an zu helfen, zu heilen und vorzubauen versuchen, aber, nach dem Wort eines anderen alten Bischofs, "es hat halt wenig Sinn, morsches Holz zu schnitzen." So ist unser Bistum nun, wo der ganze Klerus – bis auf einen Priester und mich – aus anderen, meist jüngeren Leuten besteht als zu Beginn in eine neue Phase getreten.

Aber - wie Josef, Zacharias und Maria in der Kindheitsgeschichte Jesu – muss ich mir von einem "Engel" sagen lassen: "Fürchte Dich nicht …!" Es geht mir einfach so, wie Paulus es an die Galater geschrieben hat. Diese jungen Männer sind wie "meine Kinder" - schließlich habe ich die meisten von ihnen selber geweiht -, "für die ich von neuem Geburtswehen leide, bis Christus in euch gebildet wird" (Gal. 4,19). Darauf kommt es schließlich an und dazu muss die Begleitung und Lösung mancher Beziehungs- und anderer Krisen bei einigen Mitgliedern unseres Klerus letztlich führen. Gott Dank ist die große Mehrheit ja gesund und positiv eingestellt, so dass man echte Hoffnung haben kann, dass bis zum Erreichen meiner Altersgrenze 2014 Entscheidendes noch in Ordnung kommt.

Aber das kann selbstverständlich nur mit ganz massiver "Hilfe von Oben" gelingen. Um diese den Himmel anzustürmen, bitte ich Sie und Euch dieses Mal ganz besonders. Die materielle Unterstützung ist eine angesichts der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Bundeslandes Maranhão wohl auf Jahre hinaus noch not-wendige Sache, aber die geistliche, die im Gebet, ist noch wichtiger, schließlich sagt der Herr: "Ohne mich könnt ihr nichts tun" (Joh. 15,5), aber auch "bittet und es wird euch gegeben werden" (Mat. 7,7). Als erstes muss ich selber ein heiligerer Bischof sein, mit noch viel mehr Geduld, Selbstbeherrschung, Klugheit, Hellsicht, Festigkeit und Mut. In diesem Sinne vertraue ich sehr auf Ihre und Eure Fürbitte und versichere ich umgekehrt die unsere – aus ganzem Herzen!

Und nun ein reich gesegnetes Weihnachtsfest
                                                               Ihr / Euer
                                                               + Reinhard Pünder

Zurück zum Inhaltsverzeichnis des Brasilienbriefs 2007

*** So gekennzeichnete Artikel unterscheiden sich in der Online-Ausgabe von der Print-Ausgabe!

 

Für aktuelle Informationen aus der Diözese Coroatá tragen Sie sich bitte in unseren Newsletter ein.

Bitte stellen Sie sicher, dass Sie die vom Newsletter-System verschickte eMail erhalten, in der Sie zwingend einen Bestätigungslink anklicken müssen. Ohne diese Rückbestätigung (Double-Opt-In-Verfahren) ist der Versand von Newsletter leider in Deutschland untersagt.

Letzte Aktualisierung:
11. Januar 2016

































© 2006 - 2017 Diözese Coroatá, Brasilien