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Ein Jahr Horizonterweiterung PDF Drucken E-Mail

– Erfahrungen mit Jugendlichen auf den Fazendas da Esperança –

Nach dem Abitur eröffnete sich mir die Möglichkeit, Zivildienst als "anderen Dienst im Ausland" im Umfeld meines Onkels, Bischof Reinhard, in Coroatá zu absolvieren, auf den dortigen Fazendas da Esperanca.

Anfang August 2005 ging es also nach Brasilien. Mit Wörterbuch und Grammatikheft bewaffnet, wurde ich nach 19-stündigem Flug herzlich von Pe. Andersson, dem damaligen Verantwortlichen der Fazendas, am Flughafen in Sao Luis empfangen. Auf der fünfstündigen Autofahrt ins Landesinnere verstand ich kein Wort. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf: Wie komme ich ohne Sprachkenntnisse zurecht? Wie werden die Jugendlichen mich aufnehmen? ...

Gleich am ersten Abend wurde ich in ein Viererzimmer einquartiert. Keine Privatsphäre zu haben war gewöhnungsbedürftig. Die Jugendlichen akzeptierten mich mehr oder weniger herzlich, zunächst nicht ohne die klischeehaften Vorstellungen über "die Deutschen". Es gelang nur mit Gelassenheit und Beherrschung, gegen gezielte Provokationen anzugehen. Die ersten drei Monate waren die schwersten. Meine Aufgabe bestand im Mitleben und Mitarbeiten. Ich durfte, ebenso wie die "Jungs", nur einmal im Monat telefonischen Kontakt nach Hause aufnehmen. Auch das Essen, Bohnen und Reis, war gewöhnungsbedürftig. Aber es gibt wichtigere Dinge als unseren Nahrungsüberfluss. Dank meiner Ausdauer und der gelebten Gemeinschaft habe ich die schwere Anfangsphase überstanden und fand viele gute Freunde. Förderlich waren meine fußballerischen Fähigkeiten. Mit zunehmenden Sprachkenntnissen und der Anerkennung durch die Jugendlichen und Betreuer wichen auch die letzten Einsamkeitsgefühle.

Eine solche Therapie in Gemeinschaft ist durch das tägliche Zusammenleben sehr intensiv. Die Rekuperanten lernen elementare Regeln des Zusammenlebens, beispielsweise Konflikte nur verbal zu lösen und respektvollen Umgang miteinander. In ihrem Leben zuvor haben sie diese Grundregeln nicht kennen gelernt. Wie sollen sie auch Vertrauen in jemand anderen setzen, wenn niemand ihnen Vertrauen entgegen gebracht hat? Die Betreuer erklärten, es würde dauern, bis ihre harte Schale geknackt sei und man an sie "herankäme". Ich spürte, wie wichtig ein Vertrauensvorschuss ist, um sie aus ihrem Teufelskreis heraus zu holen. Ein langsamer Prozess, für mich interessant ihn zu verfolgen. Einige Jugendliche, die mir anfangs völlig unsymphatisch waren, wurden zu meinen besten Freunden. Viele von ihnen haben ein großes Potenzial und ich hoffe, dass sie aus dem Teufelskreis ihres Lebens herausfinden. Leider waren einige Jugendliche nicht davon abzubringen, die Fazenda zu verlassen, bedeutete es doch den Weg zurück zu Drogen und Prostitution.

Wer bereit ist, sich schwierigen Prüfungen zu unterziehen, kann an ihnen wachsen. Es entstanden Momente des Glücks, wie sie nur innerhalb einer Gruppe möglich sind: Geteiltes Glück ist vielfaches Glück. Mich auf dieses Abenteuer einzulassen und mich bestmöglich "auf Zeit" mit diesem Leben zu arrangieren, empfand ich als wichtigen Lernprozess. Ich lernte mein Leben in Deutschland mehr zu schätzen und tiefere Dankbarkeit zu empfinden. Besonders aber bin ich nun in der Lage zu vergleichen und Dinge in ihrer Komplexheit zu beurteilen. Nicht ohne Stolz füge ich aber hinzu , dass meine Mitbewohner und Freunde mich als Brasilianer bezeichnet haben. Ich empfinde dies als Horizonterweiterung, welche hoffentlich nie endet und danke allen, die mir dazu geholfen haben.

Konstantino (Konstantin Pauly)

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Letzte Aktualisierung:
11. Januar 2016

































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