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Aus der Diözese - Sta. Isabel heißt jetzt "Palmares"*** - nur online PDF Drucken E-Mail

... oder der Kampf um den richtigen Weg ...

Verwandte redeten nicht mehr miteinander. "Was will dieses Miststück hier im Gottesdienst?", musste der hochverdiente Gründer und langjährige Leiter der größten, damals der lebendigsten Gemeinde der Pfarrei, verantwortlich für eine ganze Region, sich anhören, und Schlimmeres sogar. Die Feindschaft erstreckte sich sogar auf Familienangehörige, die längst nicht mehr am Ort wohnten.

Sr. Lídio mit jungen Priestern
Sr. Lídio, der Verlierer der älteren Generation,
mit den jungen Priestern der Pfarrei

Um es vorweg zu nehmen: Es zeichnet sich ab, dass der Geist geschwisterlicher Einheit doch wieder siegen wird. Aber wie konnte es in wenigen Jahren dazu kommen, eine christliche Gemeinde so brutal zu entzweien?

Lídio war ein kluger, bauernschlauer Alter. Er versuchte, "seinem" Volk auf dem Weg des brasilianischen "jeitinho" zu helfen: Herauszuschlagen was möglich ist, mitzumischen, Einfluss zu nehmen. Schließlich übernahm er selbst die Aufgabe des Verwalters des Großgrundbesitzers, um der Ausbeutung einen Riegel vorzuschieben und die schlimmsten Ungerechtigkeiten zu verhindern.

Aber inzwischen war eine neue, selbstbewusste Generation herangewachsen. Sie kannten die neuen brasilianischen Gesetze, hörten von den Erfolgen der Landlosen-Bewegung im Süden Brasiliens, ließen sich von Fachleuten der (linken) Arbeiterpartei beraten und gingen auf Konfronationskurs mit dem irgendwo auswärts wohnenden Landeigner, der nichts tat als die Pacht einziehen zu lassen, und den lokalen Machthabern, die hinter ihm standen.

Und siehe da: Ihr in großer Einigkeit, mit Mut und Ausdauer geführter Kampf – durchaus auch mit ruppigen Methoden geführt – hatte Erfolg: Sie erreichten die Enteignung des Besitzes (das Gesetz sagt: um eine Unruhesituation zu befrieden); das Land wurde ihnen zugesprochen und sie bildeten eine Genossenschaft, die ihnen Zugang zu öffentlichen Zuschüssen eröffnet. Statt des frommen alten Namens wählten sie "Palmares", den Namen der befreiten Sklavenregion, die sich lange in einer schwer zugänglichen Gegend Pernambucos halten konnte, bevor sie vom kaiserlichen Militär brutal ausgemerzt wurde.

Sr. Horácio vor dem Rohbau der neuen Kapelle
Sr. Horácio, der diesjährige Gemeindeleiter, Repräsentant
der Gewinner der jungen Generation, mit Frau und Schwager
sowie dem Schulleiter vor dem Rohbau der neuen Kapelle

Lídio war auf der falschen Seite gelandet und musste sich in manchen Entscheidungen als Verwalter auf die Seite des Großgrundbesitzers stellen. Aus dem Gründer und Leiter der Gemeinde war ein Gegner geworden, und – viele konnten es nicht unterscheiden – ein Feind.

Langsam beginnen die Wunden zu heilen, auch wenn es immer noch nicht an Nadelstichen fehlt. Der Bischof weigerte sich, die Firmung zu beginnen, wenn Lídio nicht dabei sei. Zitternd und schwitzend "durfte" er das erste Mal wieder am Gottesdienst der Gemeinde teilnehmen. Jetzt konnte er endlich auch wieder ein neues Häuschen an Stelle seines alten neben der Kapelle bauen. Nachdem er aus dem Verwalterhaus ja vertrieben war. Seine vielen Patenkinder "dürfen" ihn wieder – wie sonst üblich – um den Segen bitten. Bei der Messe zum Geburtstag der Gemeinde kam endlich ein langes Gespräch mit dem neuen, jungen Gemeindeleiter zustande, das hoffentlich noch verbleibende Konflikte zu klären begann.

Ist es ein Trost, dass Paulus in der turbulent-lebendigen Gemeinde von Korinth auch tiefgehende Streitigkeiten angehen musste? Die Wege sind verschieden. Aber die Gegensätze dürfen die tiefere Einheit nicht sprengen. Gott Dank sind sich in Sta. Isabel beide Seiten klar, dass es für sie als Christen keinen anderen Weg gibt.

(Godehard Pünder)

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Letzte Aktualisierung:
11. Januar 2016

































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