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Was hat sich im Bistum in 27 Jahren verändert? PDF Drucken E-Mail

Eindrücke vom letzten Besuch im Frühjahr 2008

1981, drei Jahre nach der Gründung, kam ich das erste Mal für zwei Jahre ins Bistum Coroatá, später noch einmal für fünf Jahre, und dann regelmäßig alle zwei bis drei Jahre zu Besuch. Es hat sich ungeheuer viel verändert in diesem viertel Jahrhundert.

Äußerlich geht es in manchem besser: Mehr Straßen, viele Motorräder, auf dem Land oft Siedlungshäuser aus Ziegeln und meistens Strom. Eine der Folgen allerdings: das elende, faul machende und verdummende Fernsehen der kommerziellen Sender aus dem Süden.

Es heißt auch, weniger Hunger, nicht zuletzt wegen einiger Programme der Regierung Lula, wenigstens für die, die wach genug sind, sie zu nutzen. Wieder bleiben oft die Ärmsten der Armen - kraftlos, einfältig und ohne Helfer - außen vor. Die kleinen Sozialhilfemaßnahmen ändern natürlich die großen Sozialprobleme nicht und haben viele Menschen eher noch weniger bereit gemacht, sich dafür oder auch nur um die Verbesserung der Situation ihrer Familie zu bemühen. Anschaffungen sind durch Ratenzahlungen leicht gemacht, aus denen sich oft Schulden ergeben. Meist beanspruchen die Männer alles für sich. Zurück bleiben die Frauen und Kinder, denen oft nach wie vor das Nötigste fehlt.

Auf Landesebene fördert die offiziell linke Regierung die großen, oft auswärtigen Investoren, um ihre sozialen Aufgaben zu finanzieren und um das stürmische Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Diese kaufen ganze Gebiete auf, um Monokulturen für Soja, Zuckerrohr oder Eukalyptus (Holzkohle zu dessen Gewinnung) anzulegen, meist im Supertrend Bioenergie. Folgen sind eine gigantische Umweltzerstörung und die Verdrängung der Kleinbauernfamilien, für die keine Anbauflächen für ihre Lebensmittelproduktion bleiben. Was ist nun wirklich das Beste für das Land und seine Bürger?

Auffällig sind auch die Veränderungen im Bistum: Bischof Reinhard denkt an seinen bevorstehenden Abschied in fünf Jahren und will seinem Nachfolger ein gut bestelltes Haus hinterlassen. Da muss die Abhängigkeit von den ausländischen Spenden reduziert, die Eigenfinanzierung aufgebaut und gestärkt werden. Die Verantwortlichkeit der Mitarbeiter vor Ort, vor allem auch der Priester, muss sich weiter entwickeln. Wie viel bequemer war es doch, für vieles mit ausländischen Zuschüssen rechnen zu dürfen, die der Bischof gefälligst zu besorgen hat. Der Ausgleich zwischen reicheren und ärmeren Pfarreien fällt schwer. Jeder hätte auch gern mehr Geld in der eigenen Tasche, nicht zuletzt, um die Erwartungen der Großfamilie berücksichtigen zu können. Alles bei einer Jahrhunderte alten (Un-)Kultur, dass nicht immer zwischen verwaltetem und eigenem Geld unterschieden wird und es nicht üblich ist, transparent auch im Detail Rechenschaft abzulegen. "Was die Ausländer, die Germanen nur immer wollen? Bei uns geht es eben etwas lockerer zu." Kritik, egal wie berechtigt sie ist? O weh, das wird sehr schnell als Missachtung, mangelndes Vertrauen, ja als Rassismus und fehlender Respekt vor der dortigen Kultur empfunden und führt zu empfindlichen, nicht selten überaus unsachlichen Reaktionen.

Die letzte Diözesanversammlung hat sich jedoch voll und überdeutlich hinter ihn gestellt und manches der angedeuteten Probleme sehr kritisch zur Sprache gebracht. Sie zeigte erneut, dass von unten her Gesundes kraftvoll gewachsen ist. Wir dürfen also hoffen, daß der berechtigte Wunsch, das Bistum "maranhensischer" zu machen, zu echter Reifung führt und schlechte "Umwelteinflüsse" und "Plagen" nicht alles wieder zunichte machen.

(Godehard Pünder)

(siehe hierzu auch den Auszug aus dem Fünfjahresbericht nach Rom von Bischof Reinhard zum Thema "Öffentliche Moral")

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Letzte Aktualisierung:
11. Januar 2016

































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