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Agrarkonflikte 2008 PDF Drucken E-Mail

Wir zählten dieses Jahr in der Diözese Coroatá 21 Konflikte in fünf unserer 20 Munizipien. Betroffen waren 1.050 Familien. So sind in Codó fünf "Quilombola"-Dörfer, Ansiedlungen ehemaliger Sklaven, für die eine Sondergesetzgebung zur Sicherung ihrer Länder gilt, von Vertreibung bedroht, da sie immer noch nicht anerkannt wurden. Auch 17 andere Dorfgemeinschaften konnten die Regulierung ihrer Ersitzungsrechte immer noch nicht erreichen.

700 Familien wurde durch einen Fazendeiro und seine Pistoleiros die Vertreibung angedroht. Gerichte haben weitere 300 Familien mit zweifelhafter Begründung zur Aufgabe ihrer Siedlungen aufgefordert. 50 Familien wurden in Alto Alegre zum wiederholten Male vertrieben; sie kehrten immer wieder zurück. Ihre Wortführer, wie auch die in Codó, wurden mit dem Tode bedroht (10). Jetzt nach der Wahl fürchten sie neue Gewalttaten.

Über den Mordfall in Vergel hatten wir berichtet. Wir konnten zwar erreichen, dass zwei der Mörder verhaftet wurden. Aber der eine wurde sofort wieder entlassen, die Freilassung des anderen setzte jetzt der vermutliche Auftraggeber über Beziehungen zu einem der obersten Richter durch. Mit einer weiteren Strafverfolgung ist also nicht mehr zu rechnen.

In einem anderen Munizip hatte eine örtliche Mafia von Unternehmern und öffentlichen Angestellten mit Hilfe einer Bank im Namen von Kleinbauern Land gekauft, um an Kredite der Weltbank zu kommen. Jetzt wollen sie von den Ansprüchen der Bauern nichts mehr wissen und drohen mit Vertreibung.

In São Mateus waren 2002 die 36 Familien eines Dorfes vertrieben worden, bekamen aber erst dieses Jahr vor Gericht ihre Besitzansprüche anerkannt. Sie können aber nicht auf ihr Land zurückkehren, da der Fazendeiro Berufung eingelegt hat und "seinen" Besitz durch Pistoleiros bewachen lässt.

In Timbiras will ein Großgrundbesitzer 42 Familien los werden, die seit Jahren dort friedlich ihre Äcker anlegen konnten und damit Nutzungsrechte erworben haben, weil er sein Land jetzt für Viehzuchtprojekte und Holzkohleproduktion umnutzen will.

In diesen und schon länger anhängigen Fällen wurde die Anwältin der Landpastoralkommission Maranhão, Frau Dr. Claudia Amorim Costa, immer wieder tätig. Ihrem Rechenschaftsbericht entnehmen wir ihre Interventionen bei Prozessen, eine umfangreiche Beratungstätigkeit und Mitwirkung bei Ausbildung und Schulung junger Juristen der Universität und künftiger "Basisadvokaten" (s. BrBr 2005/S.6). Gegen Machtmissbrauch durch die Zivilpolizei wurde bei der Polizeiführung des Landes und beim Bundesinnenministerium Protest eingelegt.

Die Arbeit der Anwältin und der diözesanen Landpastoralkommission (CPT) und der von Maranhão, die einer unserer Priester leitet, wird durch eine jährliche Großspende der deutschen Anwaltssozietät Clifford Chance (früher Clifford Chance Pünder) ermöglicht.

Wir können jedoch auch von einem erfreulichen Erfolg berichten: 2002 waren 120 Familien, die Mehrzahl seit über 50 Jahren ansässig, durch ein Gerichtsurteil auf brutalste Weise vertrieben, ihre Häuser und die Kapelle verbrannt, Vieh und Lebensmittel widerrechtlich abtransportiert worden. Monate hausten sie notdürftig im Pfarrzentrum von S. Mateus. Nur mühsam haben sich einige wieder organisiert. Viele verzweifelten und suchten anderweitig ihr Glück, andere verfielen dem Alkohol oder der Prostitution. Nur 20 Familien hielten durch und kämpften bis heute. Endlich wurden im August d.J. 36 Familien von der Agrarbehörde wieder in ihre Rechte eingesetzt und erhielten 960 ha Land zugewiesen. Mehrere Nachbargenossenschaften begleiteten sie festlich auf ihr Land zurück und helfen jetzt beim Wiederaufbau ihrer Häuser.

(CPT Coroatá, Antônia Calixto „Toinha“, Leiterin)

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Letzte Aktualisierung:
11. Januar 2016

































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